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Die Fähigkeit, etwas zu ändern

Die Oblast Odesa im Südwesten ist das flächenmäßig größte Gebiet der Ukraine – etwa so groß wie Nordrhein-Westfalen, allerdings mit nur etwa 2,4 Millionen Einwohnern. Durch ihre Größe, Heterogenität und periphere Lage hat die Oblast Odesa mit einer Reihe von strukturellen Schwierigkeiten zu kämpfen, darunter Separatismus, Machenschaften lokaler Eliten und ein unterschiedliches Entwicklungstempo in Nord und Süd sowie Stadt und Land.

Starke Zivilgesellschaft für eine heterogene Region

Die KIEWER GESPRÄCHE widmeten diesen und anderen Herausforderungen in der Region nun ein eigenes Fortbildungsprogramm, das von März bis Juni 2018 durchgeführt wurde: der #CapacityChallenge (im Original #СпроможностіChallenge).

Zu diesem Programm luden die KIEWER GESPRÄCHE so unterschiedliche Teilnehmer wie Unternehmer, Aktivisten und Vertreter der Verwaltung ein, die sich alle für positive Veränderungen in ihrer Region engagieren und bereits ausgefeilte Projektideen mitbrachten. Durch das Fortbildungsprogramm wurden sie befähigt, ihre Projektideen professionell und erfolgreich zu verwirklichen.

Die Teilnehmer erhielten im Laufe der drei Monate zahlreiche neue Fähigkeiten im Bereich Projektmanagement, Fundraising, Finanzsteuerung, Lobbyarbeit und in vielem mehr. Zugleich entwickelten sie ihre lokalen Projekte weiter, in so diversen Themenfeldern wie Bildung, Tourismus und Umweltschutz.

Am Ende des #CapacityChallenge stand eine nachhaltig gestärkte Zivilgesellschaft in der Region sowie 11 innovative, dynamische und gut strukturierte Projekte, mit denen die Teilnehmer das Schicksal der Oblast mitgestalten werden.

Das Programm im Detail

Wie aber lief das Programm in Einzelnen ab? Mit dem Ziel, neue zivilgesellschaftliche Projekte zu schaffen oder laufende Projekte zur Stadt- und Regionalentwicklung zu unterstützen, war der #CapacityChallenge in drei Städten der Oblast Odesa aktiv: Savran im Norden, die Hafenstadt Bilhorod-Dnistrovskyi am Schwarzen Meer sowie Izmail am Donaudelta. Doch nicht nur aus Savran, Bilhorod und Izmail selbst kamen die Teilnehmer, sondern auch aus vielen Dörfern und kleineren Orten in der Umgebung.

Die Zielgruppe variierte von Ort zu Ort und umfasste so vielfältige Gruppen wie Lokalpolitiker, Geschäftsleute, Rentner, Straßenkünstler, Aktivisten, Museumsmitarbeiter, Studenten, Lehrer oder einfach engagierte Bürger.

Das Programm des #CapacityChallenge beinhaltete unter anderem drei anderthalbtägige Themenblöcke in jeder Stadt, dazwischen die Einzelarbeit mit Mentoren, ein verpflichtendes Abschlussprojekt und eine gemeinsame Konferenz in Odesa.

Die Teilnehmer des #CapacityChallenge wurden sowohl mit theoretischen Vorlesungen als auch praktischen Aufgaben konfrontiert. So lernten sie etwa, wie man Projektideen austestet, auf welche Weise Ziele am besten definiert werden und wie ergebnisorientierte Projektplanung funktioniert. Dazu kam Beratung in der Kostenplanung, im partizipativen und teambildenden Arbeiten, im Fundraising und in der PR- und Multiplikationsarbeit. Drei projekterfahrene Mentoren begleiteten die Durchführung und berieten die Teilnehmer.

Von der ersten Idee zum großen Höhepunkt

Zu Beginn von #CapacityChallenge wurden 26 Projekte aus allen Städten vorgestellt, doch während des Programms waren die Projektideen im steten Wandel: sie wurden angepasst, aufgegeben oder miteinander verbunden.

Die Präsentation der Ergebnisse fand schließlich am 22. Juni in Odesa auf der Abschlusskonferenz des #CapacityChallenge statt. Bei der Konferenz wurden auch andere Interessensgruppen einbezogen, um über Stadtentwicklung, die Auswirkungen der Dezentralisierungsreform für die Region Odesa und weitere aktuelle Themen zu debattieren. Zu den Teilnehmern gehörten Serhiy Koleboshyn, stellvertretender Gouverneur der Oblast Odesa, Pavlo Kolotvin, Vorsitzender des Instituts für politische Informationen und Oleksandr Slavskyi, Leiter des Impact Hub Odesa und Koordinator der KIEWER GESPRÄCHE in der Region Odesa.

Die Konferenz #CapacityChallenge war zudem voller Workshops und gab den Teilnehmern dadurch die Möglichkeit, mit Experten über Bürgerhaushalt, Crowdfunding, Schulprojekte und soziales Unternehmertum zu diskutieren.

Den wichtigsten Teil der Konferenz bot aber natürlich die Präsentation der bestehenden Projekte des Programms #CapacityChallenge. Während der Präsentation hatten die Teilnehmer nur wenige Minuten Zeit, die Projektidee und die wichtigsten Ergebnisse zu präsentieren, aber all ihre vorgestellten Projekte wiesen eine durchdachte Planung mit stringentem Budget auf.

Umweltschutz praktisch gelebt

Einige der Projekte wurden mittlerweile schon umgesetzt, andere befinden sich in der Abschlussphase. Dazu gehört „Umweltschutz in Kinderhand“ in Izmail. Mit diesem Projekt soll die Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen verbessert werden, wobei auch ihre Familien miteinbezogen werden.

Das Team der NGO  „Ekosynerhiya“ organisiert dafür nicht nur Bildungsveranstaltungen und Flashmobs mit Studenten, sondern beteiligt diese auf ungewöhnliche Weise auch an der Begrünung und Verschönerung der Stadt: Auf der Konferenz berichtete Projektleiter Roman Kamburov, wie sein Team „Baumpflanz-Sets“ unter jungen Menschen verteilt.

Diese Sets, zu denen ein spezieller Topf, Torfpellets, Hibiskus- und Akaziensamen, die Gebrauchsanweisung und eine kleine Box gehören, erfreuen sich besonders unter jungen Menschen aktuell großer Beliebtheit. Insgesamt sollen etwa 4000 Menschen für das Projekt gewonnen werden und an einer großen Baumpflanz-Aktion teilnehmen. Das Projekt kooperiert dabei eng mit 20 Schulen in Izmail und Umgebung.

Und damit ist „Umweltschutz in Kinderhand“ noch lange nicht zu Ende: Aktuell arbeitet das Projektteam mit der Stadtverwaltung an einer Vereinbarung zur weiteren Begrünung - diesmal der ganzen Stadt!

 

 

Im Folgenden die Projekte des #CapacityChallenge im Überblick:

 

PROJEKTE in und um SAVRAN

 

1. Branding des Gebiets Savran im Tourismusbereich

Projektziel: Um das Gebiet Savran beliebter zu machen und mehr Touristen anzuziehen, muss die Region als „Marke“ entwickelt werden. Dazu gehören Website, Logo und Souvenirs.

Bereits erreicht: Im Gebiet Savran wird schon seit drei Jahren das Konzept der „Vier Jahreszeiten“ umgesetzt. Dahinter verbirgt sich eine systematische, umfassende und langfristige Strategie, die auf die Entwicklung des Tourismus im Gebiet Savran zielt und vier Festivals in verschiedenen Jahreszeiten umfasst. Dabei werden touristische Routen und Dienstleistungen angeboten.

Benötigt wird: Zusammenarbeit mit Werbeagenturen, Designern, Partnern im Bereich Tourismus; Website, Souvenirs und Druckerzeugnisse.

Verantwortlich: Savraner Bezirksverwaltung
Kontakt: Albina Chumak, +380988805458, savran.tour@gmail.com

 

 2. „Freier Leseraum“ - Schaffung eines modernen freien Bibliotheksraums

Projektziel: Aufbau eines modernen Medienzentrums, in dem die Besucher in einer angenehmen Umgebung Bücher oder E-Books lesen, an Diskussionen über Literatur teilnehmen, bekannte Autoren treffen, Musik hören, Filme schauen, mit Verwandten im Ausland skypen und vieles mehr tun können. Die Bibliotheksbesuche sollen damit um 30% gesteigert werden.

Bereits erreicht: Es wurde ein großer Raum gefunden, zudem wurde die bautechnische Dokumentation und ein Kostenvoranschlag für die Sanierung erstellt.

Benötigt wird: Sanierungskosten von 1,5 Millionen UAH, moderne Möbel, Bürogeräte (5 Laptops, Beamer, Leinwand, 3D-Brillen, 3D-Drucker), Schulung für Mitarbeiter.

Verantwortlich: Savraner zentralisiertes Bibliothekssystem.
Kontakt: Irina Buzynska, +380 97 489 87 76, savra_biblio@ukr.net

 

3. Regionales immaterielles Kulturerbe bewahren - „Didok aus Osychky"

Projektziel: Erstellung einer Broschüre und eines Videos, um das kulturelle Erbe zu bewahren, basierend auf der sagenhaften Figur des „Didok aus Osychky".

Die Kunst-Sommerschule vom Juni-September 2018 umfasst 10 Unterrichtsstunden, 10 Stunden Theorie, 30 Stunden Praxis und 70 Teilnehmer. Die Schule bietet fünf Richtungen an: Wandmalerei, String Art (Nägel und Fäden), Fliesenmosaik, Mosaike aus Kunststoffdeckeln, Straßenstickerei und eine Stadtrallye zum Thema Straßenkunst.

Bereits erreicht: Jedes Jahr am 13.-14. Januar findet im Dorf Osychky bei Savran die rituelle Feier „Didok aus Osychky“ statt. Dank gesammelter Materialen wird es möglich, immaterielles Kulturerbe zu bewahren, an die Nachkommen weiterzugeben und den Verlauf des einzigartigen Ritus zu dokumentieren.

Benötigt wird: Experten für die Bearbeitung des gesammelten Materials sowie Künstlerbedarf, Material und Ausrüstung für die Kunst-Sommerschule

Verantwortlich: Kulturabteilung der Savraner Bezirksverwaltung.
Kontakt: Natalia Mostova, +380988056463, ​​cultura-savran@ukr.net

 

4. Themen-Camps für Kinder

Projektziel: Es werden Aktivistengruppen gebildet, die vor Ort Zeltcamps für eine möglichst große Zahl von Kindern organisieren werden. Die fünf Schwerpunkte sind: Führungskompetenzen, Kunst und Kultur, Umweltlabor, Patriotismus, Sport und lokale Geschichte.

Bereits erreicht: Die Kinder wurden nach ihren Wünschen befragt.

Benötigt wird: Ausrüstung, technische Unterstützung, Brennholz, Werkzeuge, Seile, Karabiner, Souvenirs, Geschenke u.a.

Verantwortlich: Savraner Bezirksverwaltung.
Kontakt: Oksana Adler, +380675593708, opel_74@ukr.net

  

PROJEKTE in und um BILHOROD-DNISTROVSKYI

 

 1.Mosaikplatten und Gartenskulptur - Kunst im öffentlichen Raum

Projektziel: Drei Straßenmosaikplatten und sechs Gartenparkskulpturen in zwei Parks der Stadt.

Bereits erreicht: In der Stadt Bilhorod-Dnistrovskyi gibt es bereits Erfahrungen mit dem Anlegen eines Straßenmosaiks. Die notwendigen Materialien, Werkzeugen und Räume sind schon vorhanden.

Benötigt wird: Honorar für die Arbeit und Finanzierung für die zusätzliche Ausrüstung und Materialien, Transportkosten

Verantwortlich: Organisation FREE ART
Kontakt: Oleksandr Simachenko, +380 68 783 77 27, alexsimachenko33@gmail.com

 

2. Open-Air-Kino „Zirka“ im Küstendorf Kurortne

Projektziel: Schaffung eines freien Sommerkinos, das auch für Familien-Aktivitäten geeignet ist. Das Dorf Kurortne liegt direkt an der Küste des Schwarzen Meeres, etwa 75 km von Odesa entfernt.

Bereits erreicht: Der Ort für das Kino wurde schon gefunden und steht zur Verfügung.

Verantwortlich: NGO „Für die Zukunft der Kinder der Ukraine“.
Kontakt: Olga Slobodenyuk, +380 97 298 36 36, slobodenyuk.olga75@gmail.com

 

3.Summer School Street Art

Bereits erreicht: Es wurden fünf Treffen für die Besprechung des Projekts mit den zukünftigen Studenten durchgeführt. Fünf Kunstobjekte wurden in der String-Art-Technik hergestellt.

Benötigt wird: Fachkräfte wie ein Social-Media-Marketing-Spezialist, ein Fotograf, ein Projektassistent, Unterrichtsmaterialien; die Finanzierung von Künstlerhonoraren, Raummiete, Beamer, Werkzeugen und Transportkosten usw.

Kontakt: Olena Kasyanyuk, +38 096 738 24 85, elanka.kas@gmail.com

 

4. Soziales Kulturbildungsprojekt SKY-Group

Projektziel: SKYFILM ist ein Open-Air-Sommerkino, in dem Filme kostenlos vorgeführt werden. SKYTallents ist eine Performance von professionellen und Amateur-Teams aus allen Kunstbereichen, sowie Sängern, Tänzern und Dichtern nach dem Prinzip „freies Mikrofon, freie Bühne“. SKYBOOK ist ein Kurzvortrag vor dem Film, der von Literaturwissenschaftlern über das Buch, das dem Film zu Grunde liegt, oder dessen Autor gehalten wird. SKYEDUC ist die Vorführung sozialer Kurzfilme. Die SKYUniversity ist eine freie Open-Air-Universität, an der Mini-Vorträge, Diskussionen und Workshops in ausgewählten Bereichen durchgeführt werden.

Bereits erreicht: Vorhandene Erfahrung bei der Projektumsetzung, nämlich: SKYFILM, SKYTalents, SKYBOOK, SKYEDUC seit drei Jahren

Benötigt wird: Technische Ausrüstung (Beamer, Beleuchtungs- und Audioanlage). Finanzierung der Honorare für Referenten und Moderatoren der Bildungsveranstaltungen.

Verantwortlich: Zentrum für Bürgerinitiativen TIRA
Kontakt: Denis Kiminchidzhi, +380968567856, denis.kiminchidzhi@gmail.com

 

5. „Umweltschutz in Kinderhand“

Projektziel: Maßnahmen, die sich den Themen Ökologie und Körperhygiene widmen, einschließlich der Aktion „Ich habe einen Baum gepflanzt“. Jeder Teilnehmer bekommt einen „Baumpflanz-Set“., Durchführen von 20 Workshops mit Mikroskopen zum Thema „Ökologie“, kostenlose Vereilung von 2000 „Baumpflanz-Sets“

Bereits erreicht: Das Projekt ist seit 2016 aktiv. Mehr als 750 Workshops mit Mikroskopen und Teleskopen wurden durchgeführt, auf denen die Teilnehmer mehr über die Ökologie des Planeten erfuhren. Im Rahmen des Projekts fanden 12 Wohltätigkeitsveranstaltungen und Betriebsführungen für 9000 Personen statt, es wurden 1000 „Baumpflanz-Sets“ verschenkt. Das Projekt umfasst 70 Schulen und deckt 4 Oblaste ab.

Benötigt wird: Finanzierung der Sets, insgesamt 2400 US-Dollar

Verantwortlich: NGO Ekosynerhiya
Kontakt: Roman Kamburov, +380938478037, glazamimicro@gmail.com

 

PROJEKT in TATARBUNARY

 

 1. Bildungs- und Informationszentrum für Ökotourismus

Projektziel: Bildungs- und Informationszentrum für Ökotourismus auf dem ethnographischen Hof „Bei Melanie“, um Touristen anzuziehen und die lokale Jugend und Senioren in touristische Dienstleistungen zu involvieren: Exkursionsbegleitung, historische Recherche, Entwicklung neuer touristischer Routen, Erstellung von Souvenirs, Förderung der bessarabischen Kochkunst und lokaler Traditionen. Projektstandort ist Tatarbunary, gelegen ca. 100 km südwestlich von Odesa an einer Lagune am Schwarzen Meer.

Bereits erreicht: Vorbereitung der Räumlichkeiten auf dem Hof „Bei Melanie“, vorläufige Vereinbarung mit den Hauptpartnern des Projekts.

Benötigt wird: Möbel für Schulungen und Workshops, Beratung, Computerausstattung, Beamer, Internetverbindung. Budget 70.000-100.000 UAH.

Verantwortlich: Verein „Ridnyi Krai“ (dt.: Heimatland)
Kontakt: Victoria Alekseenko, +380976959266, alekseenko.viktoria2016@gmail.com

 

PROJEKT in RENI

 

 1. Stadtentwicklungskonzept „Modernes Reni“

Projektziel: Es wird ein Stadtentwicklungskonzept für Reni erarbeitet, nach dem alle „Grauzonen“ wiederhergestellt und erneuert werden. Die Stadt Reni liegt im Dreiländereck mit Rumänien und der Republik Moldau, direkt an der Donau und rund 300 km von der Oblasthauptstadt Odesa entfernt. Das Projekt zielt auf die Förderung des kulturellen und touristischen Potenzials und ein neues Image der Stadt Reni durch Awareness-Raising zu Urbanismus unter den Bewohnern, öffentliche Diskussionen über Bewahrung und Revitalisierung von vernachlässigten Stadträumen und Parkanlagen.

Bereits erreicht: Die Stadtverwaltung ist bereit, ein Programm zur Stadtentwicklung zu entwickeln und unterstützt die Ideen der Bürgerinnen und Bürger.

Benötigt wird: Qualifizierte Beratung für Urban Studies. Materielle Ressourcen für die Potenzialanalyse der Stadt Reni.

Verantwortlich: Regionales Analysezentrum
Kontakt: Svitlana Hud, +380 99 419 14 92, ngo_rac@ukr.net

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