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Informationen zum rechtswidrigen Festhalten von Aktivist*innen in den besetzten Gebieten

Euromaidan SOS überwacht weiterhin die Informationslage bezüglich der Verfolgung, Entführung und Verhaftung von Vertreter*innen der lokalen Selbstverwaltung, Journalist*innen, Geistlichen, Freiwilligen und Aktivist*innen in von Truppen der Russischen Föderation seit der Invasion im Februar 2022 besetzten Regionen auf ukrainischem Staatsgebiet. 

Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine haben sich in unserer Datenbank die Namen von 215 Personen angesammelt.

72 Menschen wurden bisher wieder freigelassen, 4 tot aufgefunden.

Seit einigen Tagen erreichen uns Nachrichten über die Tötung von Personen, die auf besetztem Gebiet entführt worden waren oder zu denen man den Kontakt verloren hatte. Am Samstag, den 4. April 2022  wurden die Leichen  der Familie von Olha Sukhenko entdeckt, die dem Dorf Motyschyn in der Oblast Kyjiw vorstand. Beide Eltern und ihr Sohn wurden getötet. Auch der Fotojournalist Max Levin wurde tot aufgefunden.

 Was wissen wir heute?

Derzeit liegen uns Informationen zu 139 verhafteten Personen vor, darunter 26 Frauen. Die geografische Verteilung der Opfer ist als folgt:

 Oblast Donezk - 9

Oblast Saporischschja - 24

Oblast Kyjiw - 48

Oblast Luhansk - 3

Oblast Mykolajiw - 3

Oblast Sumy - 5

Oblast Charkiw - 7

Oblast Cherson - 34

Oblast Tschernihiw - 6

 Cherson und die Oblast Cherson

In Cherson gehen die Menschen zu friedlichen Protesten mit Blumen, Flaggen und Transparenten auf die Straße. Etliche wurden während dieser Demonstrationen verhaftet, andere wurden aus ihren zuvor durchsuchten Wohnungen mitgenommen.

 Oblast Kyjiw

Die ganze Welt weiß inzwischen von den Geschehnissen in der Oblast Kyjiw und den Siedlungen Butscha, Hostomel, Irpin, Motyschyn und anderen. 48 Personen sind nur ein Bruchteil der realen Anzahl von Menschen, die entführt, an Checkpoints verhaftet oder einfach von der Straße weggeholt wurden. Die große Mehrheit auf dieser Liste sind Zivilist*innen, die sich aus verschiedenerlei Gründen noch in der Region befanden, als die russische Armee einmarschierte. Manche waren zurückgegangen, um Familienmitglieder zu evakuieren, manche waren einfach unterwegs, andere wurden aus dem eigenen Hof oder Garten entführt. 

Oblaste Donezk and Luhansk

Leider ist uns die genaue Anzahl der in den Oblasten Donezk und Luhansk betroffenen Personen unbekannt, da diese Gebiete komplett von den Kommunikationsströmen abgeschnitten sind. Uns liegen auch keine Informationen dazu vor, in welcher Lage sich die Bürger*innen dort derzeit befinden.

Wir wissen von 33 betroffenen Repräsentant*innen der lokalen Selbstverwaltung (Bürgermeister*innen, Gemeindevorsteher*innen, Stadtratssekretär*innen, Dorfälteste), zudem von 5 Schuldirektor*innen bzw. Lehrer*innen und 3 Medienvertreter*innen.

In Nowa Kachowska entführten die Besatzer am 4. April 2022 den Chefredakteur der Lokalzeitung Oleksandr Hunko.

Die meisten der Personen auf unserer Liste sind Zivilist*innen, die der lokalen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten halfen, Menschen vor dem Kampfhandlungen in Sicherheit bringen wollten oder einfach ihre eigene Haltung als Staatsbürger*in friedlich zum Ausdruck brachten. 

 Drohungen, physische Gewalt, gewaltsame Entführungen, willkürliche Verhaftungen und andere Formen der Verfolgung von aktiven Bürger*innen werden von Russland explizit dazu angewandt, dauerhaft die Kontrolle über die besetzten Gebiete auszuüben. Eine solche Vorgehensweise sollte zu einer verbotenen Methode der Kriegsführung erklärt werden.

 Euromaidan SOS erinnert nachdrücklich daran, dass in einem internationalen bewaffneten Konflikt die Entführung von Zivilist*innen strikt verboten ist, gemäß Artikel 34 (IV) der Genfer Konvention zum Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten vom 12.8.1949 sowie Artikel 75 des 1. Zusatzprotokolls zur Genfer Konvention betreffend den Schutz von Opfern internationaler bewaffneter Konflikte vom 8.6.1977.

 Hinzu kommt, dass wieder in Freiheit befindliche Vertreter*innen der Zivilgesellschaft von Drohungen, der Anwendung physischer Gewalt und unzureichenden Haftbedingungen berichten, was gegen die zu garantierenden Standards der Behandlung von Zivilpersonen verstößt und ein Kriegsverbrechen bedeutet.

  1. Wenn Ihre Organisation bereit ist, sich der Kampagne zum Schutz der den Besatzern ausgelieferten Menschen anzuschließen, füllen Sie dieses Formular aus.
  2. Sind Sie Zeug*in des Verschwindens einer Person geworden oder haben anderweitig Informationen zu Verfolgung von Menschen in den besetzten Gebieten, informieren Sie uns darüber in diesem Formular.

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