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"Kyjiw statt Kiew. Muss das wirklich sein?"

Am 1. September fand eine Online-Diskussion der Kyjiwer Gespräche statt: „Kyjiw statt Kiew. Muss das wirklich sein?“ Im Gespräch mit unserer Projektleiterin in Berlin Silke Hüper debattierten der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan, die deutsche Politikerin Rebecca Harms und der Osteuropa-Historiker Wilfried Jilge über Sprache und Identität in der heutigen Ukraine, sowie über deren Wahrnehmung in Deutschland.

Der Anlass der Veranstaltung war die Änderung der Schreibweise unseres Projekts: Aus den „Kiewer Gesprächen“ wurden die „Kyjiwer Gespräche“. Seit Frühjahr 2020 nutzen wir die Transliteration aus dem Ukrainischen anstelle der aus dem Russischen.

Hier finden Sie einige Zitate aus dem Gespräch in einer leicht redigierten Fassung und die Aufzeichnung der Diskussion.

„Für mich ist die Entscheidung, unseren Titel in "Kyjiwer Gespräche" zu ändern, eine eigentlich überfällige gewesen. Ich habe mich gefragt, warum wir das nicht schon viel früher gemacht haben. Zum Beispiel, als im Englischen dieser Wandel stattfand und man angefangen hat, Kyiv statt Kiev zu benutzen. Die Kampagne hat ja damals gezeigt, dass das ein wichtiger Beitrag dazu ist, die Unabhängigkeit der ukrainischen Nation auch auf dieser Ebene anzuerkennen." Rebecca Harms, ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments (Die Grünen/EFA, 2004-19) und langjährige Schirmherrin der Kyjiwer Gespräche

„Natürlich gibt es wichtigere Dinge, zum Beispiel, wenn deutsche PolitikerInnen die Ukraine unterstützen und sich nicht Putin beugen. Aber auch die Schreibweise ist wichtig. Aus solchen Details entwickelt sich die Subjektivität eines Landes. Das ist eine kleine Sache, aber wenn man in Berlin Tegel steht und auf einem Bildschirm sieht, dass ein Flugzeug nach "Kiew" abfliegt, fragt man sich schon, wer und warum das so geschrieben hat.“ Serhij Zhadan, Schriftsteller 

„Der entscheidende Punkt ist, dass es um ein Symbol geht, ein Bekenntnis, ein Commitment zu einem Nachbarn, der uns wichtig ist. Dann muss man sich auch nicht ständig rechtfertigen und Beispiele aus anderen Ländern bringen. Die Ukraine ist gerade in der Klemme und damit machen wir deutlich, dass wir nun anders auf dieses Land schauen.“ Wilfried Jilge, Osteuropa-Historiker, Associate Fellow bei der DGAP

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