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Kiewer Gespräche starten Zusammenarbeit mit Zivilgesellschaft in Zakarpattia

Die Kiewer Gespräche sind jetzt auch in der ukrainischen Region Zakarpattia aktiv. An der offiziellen Eröffnung der dortigen Vertretung nahmen die Abgeordnete des Europäischen Parlaments Rebecca Harms (Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz) - Schirmherrin der Kiewer Gespräche -, die Projektleiterinnen Tetiana Lopashchuk (Kyiv) und Silke Hüper (Berlin) sowie der Regionalkoordinator Mykola Yatskov (Uzhhorod) teil.

Zakarpattia (Transkarpatien) ist eine multikulturelle Grenzregion, der durch ihre einzigartigen Gemeinden mit bisher unerschlossenem Potenzial besondere Bedeutung zukommt. Hier, wo die wirtschaftliche Diskrepanz zu den benachbarten EU-Staaten und die historisch gewachsene kulturelle Vielfalt zunehmend als Angriffsfläche für eine Destabilisierung genutzt werden, wollen wir gesellschaftlichen Zusammenhalt und Kontrolle staatlicher Institutionen durch BürgerInnen stärken. In der Gebietshauptstadt Uzhorod, einer „kleinen“ Großstadt mit gut 115000 Einwohnern, die das politische und kulturelle Zentrum der Region darstellt, sind die Kiewer Gespräche ab sofort mit einer Regionalvertretung präsent.

Projektaktivitäten sind vor allem in fünf Mittel- und Kleinstädten der Region geplant: Perechin, Irshava, Khust, Vinohradiv und Tyachiv. Das Wertvollste in jeder Gemeinde sind die Bewohnerinnen und Bewohner, daher ist es für die Kiewer Gespräche wichtig, ein gutes Zusammenspiel zwischen jungen Menschen, der lokalen Selbstverwaltung und ortsansässigen Unternehmen zu gestalten. Mit dem Zusammenbringen verschiedener Sektoren können ganz konkrete gemeinsame Aufgaben gelöst und das gesamte Potenzial der Gemeinde entfaltet werden. Hierfür wird sich das Team der Kiewer Gespräche in Zakarpattia einsetzen.

An der Veranstaltung zur Projekteröffnung nahmen u.a. der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Uzhhorod, Oleksandr Bilak, die Geschäftsführerin der NGO „Ekosphera“ Kateryna Stankevych, sowie Stadtratsabgeordnete, Vertreter der Zivilgesellschaft und Journalisten teil.

Während der Podiumsdiskussion zum Thema „Herausforderungen des Klimawandels für die Region und die Rolle der Jugend“ betonte Rebecca Harms: „Wir müssen den globalen Klimawandel überwinden, aber wir müssen gleichzeitig die Bedeutung sozialer Entwicklungen beachten. Bei Investitionen müssen ökonomische Chancen für die Region und Fragen des Umweltschutzes ausbalanciert sein.“

Der Stadtverwaltung von Uzhhorod, der größten Stadt in Zakarpattia, ist bewusst, wie wichtig die Balance zwischen Interessen von Investoren und nachhaltiger regionaler Entwicklung ist.

"Die lokalen Gebietskörperschaften haben bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit erhebliche Fortschritte im Naturschutz erzielt. Insbesondere der Umstieg von Wasserreinigung durch Chlor zur Sauerstoffreinigung des Wassers ist zu nennen. Hier warten wir jetzt auf die Genehmigung des Projektes. Leider existiert beim Problem der Mülltrennung ein Hindernis auf nationaler Ebene in Form eines nicht klar regulierten Tarifes. Und ohne diesen ist das Thema für Investoren nicht attraktiv", sagte Oleksandr Bilak, stellvertretender Bürgermeister von Uzhhorod.

Die Zivilgesellschaft vor Ort ist äußerst besorgt über mögliche Bedrohungen der Biodiversität und der Landschaften durch die Auswirkungen dort geplanter Windenergieanlagen und touristischer Megastrukturen. Diesen Themen war ein Treffen mit Umweltschützern, Abgeordneten von Gemeinderäten und Vertretern religiöser Organisationen gewidmet, dass im Zakarpatischen Zentrum für lokale Selbstverwaltung (welches mit Unterstützung des ULEAD-Programms der EU ins Leben gerufen wurde), stattfand.

"Verkaufen Sie die Oblast nicht!" betonte Rebecca Harms und unterstrich, dass Modernisierung und Wirtschaftswachstum ein vernünftiges Maß haben sollten. Entwicklungspläne für Windenergie und Tourismus in den Karpaten sollten die Interessen der lokalen Gemeinschaften berücksichtigen und die einzigartige Natur bewahren. Denn genau dies sind die Garanten für eine langfristige, nachhaltige Entwicklung der Grenzregion. Daher sollten die Megaprojekte nach Ansicht der Europaabgeordneten solange ausgesetzt werden, bis qualitative Fachuntersuchungen durchgeführt wurden.

Eine Besonderheit der Region ist das Engagement von Religionsgemeinschaften im Umweltschutz. Sie genießen Autorität unter Bürgern und Behörden und treten mit Nachdruck dafür ein, den Umweltfaktor bei der Bebauung von Berggebieten zu berücksichtigen. Somit war das Zusammentreffen der Delegation der Kiewer Gespräche mit dem ehrwürdigen Bischof Milan von Mukachevo sehr produktiv. Er steht der ruthenischen griechisch-katholischen Kirche vor, die etwa 650000 Gläubige umfasst und eine Teilkirche der römisch-katholischen Kirche ist.

Der Bischof äußerte sich besorgt über die ökologische Situation in der Region. Besondere Besorgnis erregt die Tatsache, dass der Bau von Windenergieanlagen an Orten mit einzigartiger Natur großen Schaden anrichten kann. Auch der massive Bau von Kleinwasserkraftwerken in der Region ruft Zweifel hervor sowie der „grüne Tarif“ in der Ukraine. Dieser ist nach Ansicht des Bischofs zu hoch, was Investoren dazu anregen kann unnötige, gewinnorientierte Projekte zu planen, ohne die Folgen für die Natur zu beachten.

Bemerkenswert ist, dass die Kirchen aktiv Bildungsarbeit leisten. So haben vor Ostern die römisch-katholische und die griechisch-katholische Kirche einen gemeinsamen Aufruf zum Verbot des Verbrennens von Autoreifen vor den Feiertagen veröffentlicht, was sich tatsächlich positiv auf die Reduzierung dieses verbreiteten Phänomens auswirkte. Der Kampf gegen die beliebten Plastikblumen auf den Friedhöfen geht weiter.

Rebecca Harms glaubt, dass vor der Umsetzung großer Projekte die Meinung aller Stakeholder gehört werden sollte: "Die Entwicklung muss nachhaltig und kontinuierlich sein. Der Reichtum und das Potenzial der ukrainischen Karpaten müssen in Europa erklärt werden. Die EU unterstützt die Idee der kontinuierlichen Entwicklung. Dennoch ist es notwendig, diese Entwicklung so zu planen, dass sie sich nicht negativ auf die Umwelt auswirkt. "

Das Hauptarbeitsfeld der Kiewer Gespräche in der Oblast Zakarpattia ist die Entwicklung der Jugendpolitik und die Förderung der Jugendbeiräte als Teil der lokalen Selbstverwaltung. Mit der Arbeit eines solchen Jugendbeirats haben sich Vertreter der Kiewer Gespräche in der Kleinstadt Perechin bekannt gemacht. Ihor Vyshnyak, Mitglied des Jugendbeirats, berichtete: „Wir haben guten Kontakt mit Jugendbeiräten in anderen Städten: Chernivtsi, Ivano-Frankivsk, Lviv. Wir arbeiten zu Themen des Haushalts, der nachhaltigen Entwicklung und der Aktivierung von Jugendlichen.“ Und Andriy Vyshnyak, Abgeordneter des Oblast-Parlaments und Vorsitzender der Wohltätigkeitsvereinigung „Zentrum für Bürgerinitiativen“ hob hervor, wie wichtig die systematische Unterstützung von Geldgebern bei Fragen der Jugendbeteiligung ist. „Es ist die Jugend, die sich an der Identifikation von Problemen in der Region beteiligen kann. Der Jugendbeirat ist ein wichtiges Element der Gemeindeentwicklung. Die Menschen müssen verstehen, dass es ihre Gemeinde und ihr Gemeindebudget ist".

Partnerorganisation der Kiewer Gespräche in Uzhhorod ist die NGO "Youth Space".

Wir laden reformorientierte lokale Initiativen zur Zusammenarbeit ein!

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